Wer stillen will, soll stillen können!

Mutter mit kleinem Baby arbeitet

Karriere mit Baby ist möglich, auch wenn du stillst!

Stillen im Beruf

Beruflich stehen junge Mütter heute sehr unter Druck. Viele wollen oder müssen schnell nach der Geburt wieder zurück in den Job. "Stillen im Beruf ist unmöglich", denken Viele und stillen früher ab, als sie eigentlich wollen. Oder sie fangen gar nicht erst an. Doch das muss nicht sein!

Stillende haben gesetzlichen Schutz

Ein Kind zu stillen steht nicht im Widerspruch zu Beruf und Karriere. Dafür hat der Gesetzgeber gesorgt und im Mutterschutzgesetz (MuSchG) den Umgang mit stillenden Müttern am Arbeitsplatz klar geregelt. So steht eine Stillende rechtlich fast auf derselben Ebene wie eine Schwangere. Das reicht von Arbeitszeiteinschränkungen (Überstunden, Nachtarbeit etc.) bis hin zu Arbeitsbedingungen (nicht lange stehen, schwer heben, kein Umgang mit gefährlichen Stoffen etc.)
Ist der Arbeitgeber nicht in der Lage diese Regelungen zu erfüllen, dürfen stillende Mütter nicht beschäftigt werden.

Stillpausen sind gesetzlich vorgeschrieben

Stillenden Müttern stehen nach dem MuSchG Stillpausen zu, die nicht auf die Arbeitszeit angerechnet werden dürfen. Das heißt, man bekommt frei, um zu stillen oder abzupumpen (!), ohne das dafür der Lohn gekürzt wird oder die Zeit nachgearbeitet werden muss. Es dürfen Müttern durch die Entscheidung zu stillen keine Nachteile entstehen.
Die Pausen sollten mindestens entweder zwei Mal täglich 30 Minuten oder einmal eine Stunde dauern. Das gilt für einen normalen achtstündigen Arbeitstag. Bei längerer Arbeitszeit verlängert sich auch die Pause: entweder einmalig 90, oder zwei Stillpausen á 45 Minuten Es ist egal, ob die Mutter den Arbeitsplatz verlässt oder vor Ort stillt.

Die Länge der Pausen sind das Minimum

Im Mutterschutzgesetz steht nur die minimale Pausendauer. Die Pause kann also bei Bedarf auch länger sein. Selbstverständlich sollte der Arbeitszeitausfall so gering wie möglich gehalten werden - nicht nur dem guten Betriebsklima zuliebe.

Länge der Stillzeit nicht festgelegt

Oft wird von Arbeitgebern und auch Arbeitnehmern missverstanden, dass es sich bei dem empfohlenen Zeitraum von sechs Monaten nicht um die Dauer der Schutzfrist handelt. Wie lange die Mutter stillt und somit den Schutz genießt, wird vom Gesetzgeber nicht festgelegt und muss einfach abgesprochen werden.

Stillen im Beruf in der Praxis

Du kannst dein Baby am Arbeitsplatz stillen. Dazu bringt einfach die Betreuungsperson dein Kind zu dir oder du holst es ab, wenn zum Beispiel die Kita um die Ecke ist. Dir sollte ein angenehmer, warmer Raum zur Verfügung stehen. Im Idealfall sogar mit Liegemöglichkeit und Waschbecken.
Natürlich kannst du auch in deinen Pausen nach Hause oder zu der Kinderbetreungsstelle gehen. Viele Kindergärten unterstützen das Stillen und helfen dir bestimmt bei der Umsetzung. Frag doch einfach mal nach! Sollten die Stillpausen aber in Stress ausarten, wird das nicht langfristig gut gehen. Deswegen ist eine gute Planung ganz wichtig!
Wenn die beiden Varianten nicht funktionieren, kannst du in den Stillpausen einfach abpumpen. Das ist wichtig, um a) die Milchbildung zu erhalten und b) die Portionen für den nächsten Tag bereitzustellen. Wichtig wäre, dass dir ein Kühlschrank zur Verfügung steht, damit du die abgepumpte Milch sofort kühlen kannst. Waschmöglichkeit und Handtücher sollten auch vorhanden sein.

Umgang mit abgepumpter Muttermilch

Muttermilch ist im Kühlschrank bei +4 bis +6 Grad etwa drei Tage haltbar. Bitte stelle sie direkt nach dem Abpumpen an die kälteste Stelle im Kühlschrank hinten an der Wand und nicht in die Tür. Gibt es keine Kühlmöglichkeit, ist die Milch nur etwa sechs bis acht Stunden haltbar und darf danach nicht mehr verfüttert werden. Möchtest du deine Muttermilch länger aufbewahren, kannst du sie auch bei -20 bis -40 Grad Celsius einfrieren. So ist sie etwa sechs Monate verwendbar. Zum Auftauen lässt du die Milch etwa 24 Stunden im Kühlschrank stehen. Die Mikrowelle ist nicht geeignet. In Notfällen kannst du das Auftauen mit lauwarmen Wasser verschnellern. Aufgetaute Milch sollte schnell verfüttert werden, trotz Kühlung ist sie nämlich nach einem Tag verdorben.

Das Kind vorbereiten

Bevor du wieder ins Berufsleben starten kannst, solltest du dein Baby an die Flasche gewöhnen. Viele Brustkinder wehren sich bekanntermaßen vehement dagegen. Ist dein Kind noch sehr klein, lass dir bitte von einer Stillberaterin helfen, um keine Saugverwirrung zu provozieren. Stillberaterinen haben manchmal noch den ein oder anderen Trick, den sie dir vor Ort zeigen kann. Auch wenn du nicht abpumpen wirst, sollte dein Kind eine Alternative kennengelernt haben. Im Notfall macht sich das sicher bezahlt.

Den Chef und die Kollegen ins Boot holen

Was nützen Gesetze, wenn das Umfeld nicht mitspielt? Deswegen solltest du rechtzeitig deinem Chef mitteillen, das du stillen möchtest. Ihr könnt so rechtzeitig folgende Dinge absprechen:

  • Wann werden die Stillpausen stattfinden (feste Zeiten oder wie du möchtest)?
  • Wirst am Arbeitsplatz stillen, gehst du weg oder wirst du abpumpen?
  • Welchen Raum wirst du zum Stillen oder Abpumpen nutzen?
  • Wenn du abpumpst: Wo kannst du die Milch kühlen?
  • Wie lange wird die Stillpause in etwa dauern?

Sprich auch mit deinen Kollegen darüber, dass du dein Kind stillen wirst und etwas mehr "Pause" bekommst als die anderen. Erklär Ihnen, warum dir das wichtig ist.
Mit Verständnis und Unterstützung anderer Mitarbeiter fällt das Stillen sicher leichter.

Insgesamt 2 Kommentare:

Jana schrieb am: 2016-01-12 23:17:21
Hallo Heike, bin mir nicht sicher ob du eine Antwort bekommen hast, deshalb schreibe ich dir hier.Bei mir war es ähnlich, wobei ich Vollzeit wiedr eingestiegen bin und anfangs manchmal dreimal abpumpen musste weil ich zuviel Milch hatte.Aber wenn du nicht das Kind an der Brust hast und nicht im gewohnten Stillumfeld bist produziert dein Körper weniger. Stress kann auch eine Rolle spielen. Bei mir hat geholfen ein Foto dabei zu haben und wirklich zu versuchen ganz intensiv sich die typischen Stillmomente zuhause nochmal vor Augen zu führen. Aber trotz allem baute sich die Milch über die Woche etwas ab und übers Wochenende wieder auf.Viel Erfolg!
Heike schrieb am: 2016-01-04 21:58:19
Hallo, heute war mein erster Arbeitstag. Ich musste meine kleine Maus von 13 Wochen zu Hause lassen was mir sehr schwer gefallen ist. Ich stille sie voll und pumpte bisher nur morgens einmal ab wenn sie die nacht durchschlief aber jetzt mache ich es auch am Arbeitsplatz aber habe festgestellt das nicht so viel Milch kam. Gibt es dazu eine Erklärung? Schöne Grüße Heike

Achtung: Diese Seite ersetzt keinen ärztlichen Rat, sondern gibt nur allgemeine Hinweise.

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