Wer stillen will, soll stillen können!

Mutter stillt ihr Baby

Basics - Wissenswertes rund um die Muttermilch

Die Natur schenkte uns die Fähigkeit mit dem eigenen Körper unsere Kind zu ernähren. Doch um sicher in die Stillzeit zu starten, solltest du grundlegende Sachen wissen und Ammenmärchen kennen.

Nachfrage regelt Angebot

Die Natur möchte natürlich, dass das kleine Menschenkind immer ausreichend mit Nahrung versorgt wird. Die einfachste Lösung dafür ist, dass sich die Milchmenge dem Bedarf des Kindes anpasst. Umso mehr dein Kind braucht, desto mehr Milch wirst du haben. Häufiges Anlegen regt also die Milchbildung an, stillst du weniger geht die Milchmenge zurück. In Zeiten von Wachstumsschüben wird dein Kind wesentlich öfter stillen wollen. Das bedeutet nicht, dass du zu wenig Muttermilch hast, sondern dein Baby regt von sich aus die Milchbildung an um seinen Bedarf zu decken. Meistens sind solche anstrengenden Tage schnell wieder vorbei, da sich die Menge recht schnell anpasst.

Wie oft muss gestillt werden?

Heute stillt man nach Bedarf. Dein Baby wird sich melden, wenn es hungrig ist. Das ist in der Regel aller zwei bis vier Stunden. Es kann aber auch nach einer Stunde (besonders bei Wachstumsschüben) oder z.B. nachts aller sechs Stunden kommen. Da, wie oben beschrieben, die Nachfrage das Angebot bestimmt, ist Stillen nach Bedarf die sinnvollste Technik. In Einzelfällen kann es nötig sein öfter anzulegen, zum Beispiel wenn das Kind schlecht zunimmt oder du merkst, dass durch äußere Einwirkung (Stress) die Milch stark zurückgeht.
Die Faustregel sind etwa 8-12 Stillmahlzeiten pro Tag.
Eine alte "Weisheit" hält sich trotzdem immer noch eisern, sogar unter Kinderkrankenschwestern: Das Kind bekommt Verdauungsprobleme, wenn frische auf angedaute Milch trifft. Deshalb müssen zwischen den Stillmahlzeiten mindestens zwei Stunden liegen. Das ist völliger Blödsinn und eine längst überholte Ansicht.

Wie lange dauert eine Stillmahlzeit?

Jedes Baby ist unterschiedlich. Ein amerikanischer Kinderarzt hat in den 1950iger Jahren sogar fünf verschiedene Stilltypen festgelegt, die auch heute noch gelten. Es gibt Kinder, die die Brust innerhalb von weniger als 10 min "leer getrunken" haben und satt und zufrieden sind. Andere wiederum brauchen 45 Minuten. Da gibt es keine Regel. Besonders Neugeborene brauchen oft etwas länger.

Woran merke ich, das mein Kind genügend trinkt?¹

Als Mama wirst du nach dem Stillen merken, ob dein Kind satt und zufrieden ist. Wundere dich nicht, wenn das Flaschenkind deiner Freundin nicht so häufig trinken will wie dein Stillkind. Muttermilch ist leichter verdaulich. Nicht selten denkt man als Mutter, das die Milch nicht ausreicht, aber sehr täuscht man sich. Mehr dazu findest du hier.
Dein Baby sollte pro Tag bis 5-8 feuchte Windeln haben. Wenn es zufrieden und gesund wirkt, aktiv ist und ausreichend zunimmt, musst du dir keine Sorgen machen. Eine sichere Maßnahme ist das Wiegen. Dein Baby sollte in den ersten 2 Monaten etwa mindestens 140 Gramm pro Woche schwerer werden. Das wird vom Kinderarzt bei den U-Untersuchungen regelmäßig kontrolliert. Eine besonders in Krankenhäusern beliebte Methode ist, die Kinder vor und nach dem Stillen zu wiegen um festzustellen, wieviel sie pro Mahlzeit zu sich genommen haben. Das erzeugt aber meistens nur Druck, der wiederum die Milchbildung hemmt. Deshalb ist diese Art von Kontrolle nur geeignet, wenn der konkrete Verdacht besteht das Kind würde zu wenig Milch bekommen. Keineswegs sollte das zur Stillroutine gehören!
Sollte dein Baby nicht ausreichend zunehmen oder du Zweifel haben, wende dich schnellstmöglich an eine Stillberaterin, die dir helfen kann die Gründe dafür zu finden, die vielleicht ganz banal sind. Die Stillberaterin hat einen geschulten Blick dafür und kann dich unterstützen!
Und auch hier sollte nochmal erwähnt werden: Setz dich nicht unter Druck! Sollte es nicht klappen, dann ist das keine Tragödie. Du hast weder versagt, noch bist du eine schlechte Mutter. Eine gestresste und ängstliche Mutter nützt keinem Kind.

Wie lange darf ein Kind gestillt werden?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Grundsätzlich empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs Monate auschließlich zu stillen und bis zum zweiten Lebensjahr neben der normalen Nahrung die Brust zu geben. Alles was darüber hinaus geht liegt einzig und allein bei Mutter und Kind.

Momentan ist das sogenannte "Langzeitstillen" Thema einer emotional geführten Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern. Wieder einmal wurde diese durch das Titelbild des Time-Magazine, auf dem eine Mutter provokant ihren fast vierjährigen Sohn stillt, angefacht. Gegner fürchten allerdings psychische Schäden, sprechen von sexuellen Missbrauch. Die Mütter wiederum pochen auf die Natur, denn Menschenaffen würden auch sehr lange säugen. Und sie beziehen sich auf Studien, die belegen wie selbstsicher, zielstrebig und kreativ (usw.) lang gestillte Kinder sind. Wie lange oder wie kurz deine Stillzeit dauert, entscheidest du und dein Kind.

Zusammensetzung der Muttermilch

Wenn du anlegst, wird dein Baby kräftig saugen und den sogenannten Milchspendereflex in Gang setzen. Erschrecke nicht, wenn es in deiner Brust etwas zieht, kribbelt oder sogar kurz wehtut. Das ist völlig normal. Aber du musst nichts spüren. Der Milchspendereflex setzt sozusagen die Hormone in Gang und es wird wieder Milch gebildet. Zuerst trinkt dein Kind die Vormilch. Die ist reich an Eiweißen, Vitaminen, Zucker und Mineralstoffen. Während des Stillens verändert sich die Milch und wird immer fettreicher. Deshalb ist es wichtig, das Dein Baby in Ruhe zu Ende stillt, bis es satt ist.

Verhütung und Stillen

Entgegen der landläufigen Meinung ist Stillen kein sicheres Verhütungsmittel. Zwar wird durch das milchbildende Hormon Prolaktin der Eisprung unterdrückt, aber es muss sehr hoch konzentriert im Körper sein. Schon eine Stillpause länger als vier Stunden reicht aus, um den Prolaktinspiegel so weit zu senken, dass man wieder fruchtbar sein könnte. Deswegen solltest du, wenn du (noch) kein weiteres Kind möchtest auf andere Verhütungsmittel zurückgreifen. Allerdings ist die "normale" Pille nicht empfehlenswert. Wenn du mit der Pille verhüten willst, wirst du eine "stillfreundliches" Präparat bekommen, zum Beispiel die "Cerazette". Aber das besprichst du am Besten mit deinem Frauenarzt.

Stillen und die Seele

Kaum ein körperlicher Prozess ist so eng mit der Psyche verbunden, wie die Bildung von Muttermilch. Geht es dir schlecht, hast du Stress, stehst du unter Druck versiegt die Milchquelle unter Umständen schneller als du gucken kannst. Das ist wohl der häufigste Grund, warum einige Frauen am Stillen "scheitern". Besonders der Druck Stillen zu müssen, führt oft zum Gegenteil. Wir in Europa, wo Nahrungsmittel keine Mangelware sind, haben das Glück nicht verpflichtet zu sein uns diesen Druck auszusetzen. Eine Frau in einem afrikanischen Hungergebiet hat da einen anderen Ausgangspunkt...
Frauen, die eigentlich im Tiefsten Inneren nicht stillen wollen, werden es wahrscheinlich auch nicht können oder massive Schwierigkeiten haben. Ein gutes Selbstwertgefühl und besonders ein überzeugtes innerliches "Ja" sind die beste Vorrausetzung für eine schöne und erfolgreiche Stillbeziehung.

Hängebrust durch das Stillen?²

Weit verbreitet ist der Glaube, dass die Brust nach der Stillzeit völlig an Form verliert, aussieht wie "ausgelutscht", hängt und viel kleiner ist als zuvor. Das ist keine besonders schöne Vorstellung. Aber: Der Busen verändert sich nicht durch das Stillen, sondern größtenteils durch die Schwangerschaft. Und ganz wichtig: Dieser "Horrorbusen" ist auch wirklich sehr selten. Schon in der Schwangerschaft wächst deine Brust und bildet Fetteinlagerungen und Drüsengewebe. Wird das nicht mehr gebraucht, ob du nun gestillt hast oder nicht, verliert die Brust an Größe und damit eventuell an Form. In welchem Umfang das passiert ist abhängig von deinem Bindegewebe und wahrscheinlich auch deinen Lebensumständen, also z.B. dein BMI und ob du rauchst. Außerdem können gut sitzende und stützende BHs vor, wie nach der Entbindung das Bindegewebe entlassten.

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Lesenswert:
¹ http://www.lalecheliga.de/download/LLL_Info_GenugMilch_web.pdf
² http://www.focus.de/gesundheit/baby/news/stillen_aid_137921.html

Achtung: Diese Seite ersetzt keinen ärztlichen Rat, sondern gibt nur allgemeine Hinweise.

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