Wer stillen will, soll stillen können!

Was hat der Vater mit dem Stillen zu tun?

Lieber Papa,

Es heißt, ihr Väter fühlt euch manchmal mit dem Stillen nicht wohl. Ihr seht, wie Mutter und Kind sich in die Augen sehen, während dein Baby an der Brust liegt. Ihr spürt, wie innig und intensiv die Bindung von eurer Partnerin und eurem Kind ist. Und ihr steht daneben, wie das fünfte Rad am Wagen – völlig überflüssig und nutzlos. Wäre es nicht mit Fläschchen viel schöner? Oder eure Partnerin quält sich, hat Schmerzen beim Stillen, das Kind schreit, ist nachts oft wach? Ihr wollt das nicht länger mit ansehen – schließlich ist es mit Flasche doch viel einfacher?

Nein lieber Papa, die Flasche ist nicht einfacher, bequemer, schöner. Nein lieber Papa, du bist nicht unwichtig oder überflüssig. Du bist das Zünglein an der Waage, du bist der wichtigste Baustein einer guten und gesunden Stillbeziehung! Studien haben bewiesen, dass der Erfolg des Stillens eng mit der Einstellung des Mannes verbunden ist. Eine Mutter, deren Mann dem Stillen gegenüber negativ eingestellt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit vorzeitig abstillen. Ein Vater, der seine Frau unterstützt, trägt enorm zu einer tollen Stillzeit bei.

Du fragst dich jetzt sicher, wie du deine Frau unterstützen kannst? Es ist eigentlich so einfach. Hier sind ein paar Tipps:

1. Informier dich!

Ein gut informierter Partner ist das Beste, was einer jungen Mutter passieren kann. Alle Abläufe laufen harmonischer. Die Mama bekommt Rückendeckung, auch, wenn es mal Probleme gibt. Du weißt, was passiert – du kannst deine Frau unterstützen, überraschen und vielleicht sogar ein bisschen beruhigen.

2. Nimm deiner Frau Arbeit ab!

Eine stillende Mutter soll (zumindest in den ersten Wochen) möglichst viel ruhen. Das heißt: Der Haushalt wird nicht von ihr geschmissen! Manchmal reicht es schon, wenn du dein Zeug einfach selbst wegräumst, vielleicht kannst du auch mal eine Waschmaschine anmachen und den Geschirrspüler ausräumen. Kurz: Finde einen Mittelweg zwischen Steril und den Flodders! Deine Partnerin hat eine Sorge weniger.

3. Vermeide Stress!

Tante Erna, die frischgebackenen Großeltern, die Nachbarn, eure besten Freunde – alle wollen den süßen kleinen Fratz sehen und auch mal schön auf den Arm nehmen. Natürlich mit Kaffee und Kuchen. Natürlich bei euch Zuhause! Genau solche Momente sind blanker Stress. Sie traut sich ggf. nicht abzusagen, fühlt sich für Kuchen und Co verantwortlich, und die Wohnung muss ja auch geputzt sein. Nichts da! Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du, als Väter, sagst den großen Rummel diplomatisch ab (Gäste, die doch kommen, müssen Kaffee und Kuchen eben mitbringen), oder du putzt, backst, kochst Kaffee und verjagst die Gäste wieder rechtzeitig. Das nur als Beispiel. Halte einfach in den ersten Wochen Stress von deiner Frau fern, egal welcher Art.

4. Sei aufmerksam!

Eine kleine Nackenmassage, ein leckerer Snack, mal einen leckeren (Still-) Tee an die Couch bringen – das sind kleine Dinge, die frau besonders in der Stillzeit gut gebrauchen kann. Sei einfach ein bisschen aufmerksamer als sonst und verwöhne die stolze Mama ein bisschen. Wohlbefinden ist ein Muttermilch-Garant :-)

5. Geduld, Geduld!

Du willst auch so eine innige Beziehung zu eurem Sohn oder eurer Tochter haben – das ist klar. Aber hab Geduld, eure Zeit wird kommen. Die ersten Wochen bist du der unverzichtbare Part im Hintergrund. Aber du wirst es sein, der mit den Jungs toben wird und Fußball spielt. Und du wirst es sein, bei dem sich eure Tochter über Mutters Schminkverbot aufregt. ;-) Alles zu seiner Zeit, Papa. Und ganz ehrlich: Im Verhältnis zu einem Menschenleben, dauert die Stillzeit nun echt nicht lang.

6. Sei stolz!

Es gibt keinen Grund eifersüchtig oder brummelig zu sein, weil Mama stillt. Viel eher solltest du stolz sein auf deine Partnerin! Sie schafft es, nur mit ihrem Körper, dass euer gemeinsames Kind unter anderem in der ersten Zeit bis zu 330 g (oder sogar mehr) pro Woche (!) zunimmt! Das ist eine tolle Leistung, die wirklich Respekt verdient.

7. Mach Mut!

Aller Anfang ist schwer, vor allem beim Stillen. Deine Frau wird sicherlich manchmal verzweifelt sein, wunde Brustwarzen haben, einen Milchstau, zweifeln, ob das Baby satt wird. Mach ihr Mut. Sag ihr, dass sie das schafft, wenn sie will – ohne sie unter Druck zu setzen.

8. Sei der Beschützer!

Im Café bekommt die stillende Mama böse Blicke zugeworfen oder irgendein Held lässt einen dummen Spruch los? Dein Einsatz ist gefragt – mach eine klare Ansage!
Dasselbe gilt auch für "Weisheiten" aus der Familie. Großmutter weiß natürlich alles besser, aber du sagst ihr ganz deutlich, dass ihr schon wisst, was ihr tut.

9. Gib ein bisschen an!

Familie und Freunde können ruhig wissen, was für eine tolle Frau du hast und wie stolz du auf sie bist. Stillen ist super, das können ruhig alle wissen! Damit machst du nicht nur deine Frau glücklich, sondern regst vielleicht auch Andere dazu an, zukünftig zu stillen!

10. Lass sie entscheiden!

Jede Mutter entscheidet über ihren Körper selbst. Dazu gehört auch, dass sie entscheidet, wann die Stillzeit vorbei ist. Sicherlich kannst du deine Wünsche äußern, solltest sie aber nicht bedrängen. Das belastet nur eure Beziehung!

Achtung: Diese Seite ersetzt keinen ärztlichen Rat, sondern gibt nur allgemeine Hinweise.